Wie gefährlich ist ein Link?


Ohne Links wäre das Internet unmöglich und doch erscheinen sie manchmal gefährlich. Was passiert, wenn man von seiner privaten Homepage auf eine Seite verlinkt, die plötzlich Illegales enthält? Kann man sich seiner Verantwortung entziehen, in dem man sich einmal von allen Inhalten verlinkter Seiten in einem Disclaimer distanziert?
Seit fünf Jahren kursiert sehr erfolgreich ein Gerücht, das genau dies behauptet. Begründung: Das Landgericht Hamburg habe das 1998 in einem Urteil festgestellt. „Das ist ein Märchen", sagt Anwalt Johannes Richard aus Rostock. Das habe das LG Hamburg nie gesagt. Im Gegenteil;
Im genannten Fall hatte der Beklagte gerade mit einer solchen pauschalen Distanzierung Schiffbruch erlitten. Er hat auf seiner Homepage einige Seiten verlinkt, in denen der spätere Kläger ehrverletzend und beleidigend angegriffen wurde.
Der Beklagte wollte sich von jeder Schuld freimachen, indem er auf die eigene Verantwortung der Artikel-Autoren verwies. 
Das Gericht folgte dem nicht, sondern sah in den Links eine „eigene Verbreitung" der Artikel. 

*) Ozelot 09.0kt.2003 S.9


Keine Spur also von einem Link Disciaimer, der einem alle Verantwortung abnimmt.
Wie gefährlich sind nun Links? Johannes Richard sagt, man werde nicht sofort automatisch für alles verantwortlich gemacht, was auf verlinkten Seiten geschieht. „Wenn hingegen klar ist, dass man die Verweise absichtlich und mit Wissen um illegale Inhalte gesetzt hat, wird man auch mit einem Disclaimer nicht weit kommen", so der Anwalt. Eine solche allgemeine Erklärung ändere nichts daran, dass man für Verweise auf andere Seiten verantwortlich sein kann. Die Haftung für Links gehöre zu den kompliziertesten Fragen. Es gebe noch keine einschlägigen Urteile auf Grundlage des aktuellen Teledienstegesetzes.
Wichtig sei, links deutlich zu kennzeichnen, die auf andere Seiten führen. „Besonders, wenn die fremden Inhalte durch einen Frame optisch zum Teil der eigenen Homepage werden." Problematisch können zudem „Deep-Links" (tiefe Links) sein, wenn sie direkt auf einen Bereich zeigen, der sonst nur kostenpflichtig oder mit Anmeldung zu erreichen wäre.

JANTISSLER

Ausführlicher Auszug aus der Urteilsbegründung des LG Hamburg:
  www.internetrecht-rostock.de/disclaimer.htm